Wiesenknopf-Ameisenbläuling

im Saale-Holzland-Kreis und in Jena


Habitatmanagement für den Dunklen und Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling

sowie Förderung des FFH-LRT 6510 (Magere Flachland-Mähwiesen) im SHK und in Jena



Der Helle und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius bzw. Maculinea nausithous) sind zwei eurasisch verbreitete Arten und zeichnen sich durch einen hoch spezialisierten Lebenszyklus aus.
Beide Schmetterlingsarten sind in ihrem Fortbestand gefährdet. Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling wird auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Außerdem sind beide Arten durch die Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie und somit durch EU-Recht geschützt. Es besteht die Verpflichtung, Habitate auszuweisen und in einen für den Fortbestand der Arten günstigen Erhaltungszustand zu versetzen.
Mit den Projekten soll der Fortbestand in den Untersuchungsgebieten sichergestellt werden.


05/2022-10/2024 (Saale-Holzland-Kreis) bzw. 05/2022-03/2023 (Jena)

Diese Projekte werden in enger Zusammenarbeit mit der NATURA 2000 - Station "Mittlere-Saale" realisiert.

Sie haben Fragen?
Dann wenden Sie sich gerne an:

  • Projektteil Saale-Holzland-Kreis
  • Sylvia Jaschinsky (Projektmanagement)
  • s.jaschinsky@laendlichekerne.de
  • Anja Fröhlich (Umweltbildung)
  • a.froehlich@laendlichekerne.de

  • Projektteil Stadtgebiet Jena
  • Kathrin Henkel (Projektmanagement)
  • k.henkel@laendlichekerne.de
  • Claudia Sippach (Umweltbildung)
  • c.sippach@laendlichekerne.de

Die Lebensräume der Falter sind v. a. artenreiche, extensiv bewirtschaftete Mähwiesen des Flach- und Hügellandes, die sogenannten Mageren Flachland-Mähwiesen (FFH-LRT 6510), hier v.a. (wechsel-)feuchter Ausprägung, da die Wirtspflanze Sanguisorba officinalis an eine gewisse Feuchtigkeit gebunden ist. Außerdem werden im Gebiet natürlich gedüngte Feuchtwiesen besiedelt. Zu finden sind diese Frisch- und Feuchtwiesen in der Aue und auf grund- oder quellwasserbeeinflussten Wiesen und Weiden z.B. an den Nordhängen des Hügellandes.
Im Gegensatz zum Intensivgrünland sind diese Lebensräume blütenreich und wenig bis nur mäßig nährstoffreich. Sie wurden traditionell als Heuwiesen genutzt und der erste Schnitt findet nicht vor der Hauptblütezeit der Gräser statt, i.d.R. ab Mitte Juni. Die Wiesen sind meist zweischürig, der zweite Schnitt geschieht im Spätsommer. Historisch gehörte auch die Vor- und/oder Nachweide durch Rinder, Schafe oder andere Weidetiere zur regelmäßigen Nutzung.
Durch Umbruch von Grünland, durch Nutzungsaufgabe schwer erreichbarer oder zu feuchter Wiesen oder durch die Intensivierung der Grünlandnutzung sind in der Vergangenheit viele der Lebensräume verloren gegangen.
Neben dem Erhalt des Lebensraumes ist der Zeitpunkt der Nutzung von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Reproduktion und damit den Schutz der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge. Erfolgt die Nutzung der Wiese zur Hauptflugzeit der Falter im Juli und August, sind keine Blütenköpfchen des Großen Wiesenknopfes zur Nektaraufnahme, Fortpflanzung und Eiablage vorhanden. Damit wird den Ameisenbläulingen eine der beiden lebenswichtigen Ressourcen genommen und die lokale Population ist in ihrem Fortbestand bedroht. Befinden sich die Raupen während der Mahd/Beweidung noch in den Blütenköpfchen, schaffen sie es nicht zur Weiterentwicklung ins Ameisennest. Sie können ihren Lebenszyklus nicht vollenden, eine nachkommende Generation fehlt, die Population stirbt aus.


Abb. links: Maculinea teleius (links) und M. nausithous (rechts) auf einer Blüte des Großen Wiesenknopfes (Foto: Peter Schwarz)

Abb. rechts: FFH-Lebensraumtyp „Magere Flachland-Mähwiese“ in der Saaleaue
Das Bewirtschaftungsregime stellt einen Schlüsselfaktor sowohl für den Erhalt des Lebensraumes als auch für den Lebenszyklus der Falter dar. Damit die Maßnahmen zum Schutz erfolgreich sind, bedarf es der Unterstützung durch die Bewirtschaftenden und ihre Bereitschaft, ihr Grünland extensiv unter Wahrung einer langen Bewirtschaftungsruhe zu bewirtschaften. Eine fachkundige Beratung durch die Projektmitarbeitenden ist dabei essenziell, um die Bewirtschaftenden in Kenntnis zu setzen, auf welchen Flächen bestandsbedrohte Seltenheiten, wie die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge, vorkommen und was für deren Erhalt zu beachten ist.
Die bisherige Resonanz in der Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben im Projekt ist ausgesprochen positiv. Fast alle Agrargenossenschaften, Nebenerwerbslandwirte und private Tierhaltende haben sich bereit erklärt, auf den ca. 25 Wiesen in den Projektgebieten im Stadtgebiet Jena und im Saale-Holzland-Kreis die notwendige lange Bewirtschaftungsruhe einzuhalten. Mit den Experimentierfreudigen unter unseren Projektpartner:innen werden wir aus Projektmitteln neue Lebensräume als Trittsteinhabitate schaffen. Dies geschieht mit dem Ziel, stark isolierten Populationen einen genetischen Austausch zu ermöglichen und Räume zu schaffen, in die sie ausweichen können.

Im Rahmen dieser Projekte werden im Untersuchungsgebiet heutige Vorkommen gesichert und neue Lebensräume erschlossen. Ziel ist es, vorhandene Populationen miteinander zu vernetzen und durch angepasste naturschutzgerechte Bewirtschaftung den Lebensraum der Wirte zu erhalten und somit das Überleben der Falter zu sichern.
Um die Ziele zu erreichen, werden folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Monitoring von Faltern, Vegetation und bodenkundlicher Parameter auf allen Habitatflächen (Flächen, auf denen Falter gesichtet wurden)
  • Kartierung und somit Nachweis der Wirtsameisen
  • Etablierung einer angepassten Bewirtschaftung in enger Kooperation mit den Bewirtschaftern (bis 2-schürige Mahd; Beweidung bis Ende Mai und ab Mitte September; Nutzungspause zwischen Ende Mai/Anfang Juni und Mitte September)
  • Förderung der Ansiedelung Magerer Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) durch Ansaat charakteristischer Artengemeinschaften unter Verwendung von zertifiziertem regionalem Saatgut
  • Erhöhung des Anteils an Großen Wiesenknopfpflanzen auf Flächen mit sehr geringem Bestand durch Pflanzung nachgezüchteter Stauden aus natürlichen lokalen Populationen
  • Koordination, Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Umweltbildung
Die Falter benötigen für ihre Entwicklung eine spezielle Raupenfutterpflanze, den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) sowie bestimmte Wirtsameisen-Arten aus der Gattung Myrmica (M. scabrinodis und M. rubra). Die Falter-Weibchen legen ihre Eier in die geöffneten Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfs. Die Raupen fressen sich durch den Blütenkopf. Sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben, lassen sie sich zu Boden fallen und warten, dass sie von den Knotenameisen aufgesammelt und in ihren Bau getragen werden. Da die Raupen eine ähnliche chemische Oberflächenstruktur wie die Ameisenbrut aufweisen, behandeln die Arbeiterinnen der Wirtsameisen die Schmetterlingsraupen wie ihre eigene Brut. Im Ameisennest ernähren sich die Raupen räuberisch von der Ameisenbrut. Im Frühjahr des Folgejahres schlüpfen die Falter aus der Puppenhülle und fliehen aus dem Ameisennest.