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Wolf Ernst von Wolframsdorf erhält das Amt

Am 17. November 1585 belehnte Kurfürst August von Sachsen seinen langjährigen Hauptmann Wolf Ernst von Wolframsdorf, zu dieser Zeit in kurfürstlichen Diensten in Schwarzenberg, für treue Dienste mit dem Amt Crossen auf Lebenszeit.
Wolframsdorf kann zu diesem Zeitpunkt 34 Jahre alt gewesen sein (als sein Geburtsjahr wird 1551 angenommen).
Er war der letzte „echte“ Ritter auf Crossen. (Ritter waren die Berufskrieger des Mittelalters. Sie wohnten in wehrhaften Bauten, die ihnen entweder selbst gehörten oder die sie von ihrem Herrn als Lehen erhielten. Das Lehen war ein teilweise erbliches Nutzungsrecht, das zwischen dem Lehnsherrn, dem das Recht gehörte - im Falle Crossens Kurfürst August von Sachsen -, und dem Lehnsmann, dem das Recht verliehen wurde - hier Wolf Ernst von Wolframsdorf -, ein Verhältnis wechselseitiger Treue bedingte. Die Wohnbauten der Ritter, die Burgen, und der Grund und Boden um diese herum gingen im Laufe der Zeit in den Besitz der Ritter über. Sie wurden der Ritter Gut. Es gab Rittergutsbesitzer, die mehrere Rittergüter besaßen.)
1586 starb Kurfürst August.
1587 erreichte Wolframsdorf bei Augusts Sohn und Nachfolger, Kurfürst Christian I., eine Erweiterung der Belehnung dahin, dass er das Amt Crossen für sich und seine Nachkommen erblich als Mann- und Weiberlehn erhielt. Damit ging das Amt faktisch in den Besitz der Wolframsdorfschen Familie über.
In der entsprechenden Urkunde vom 8. Dez. 1587 heißt es: „...und ich will bemeldes Amt Crossen mit allen Herrlichkeiten, Recht- und Gerechtigkeiten desselben, Vorwergk (damit könnte das in Rosenthal gemeint sein) und zugehörige Ortschaften und Mannschaften, Gerichten, Ackerbau, Zinsen, Frohndiensten, Schlössereien, Trift, Viehzucht, Mühlen, Teichen, Fischbächen, Wiesenwachs, Gärten, zugehörigen Teiskerhayn, Rosenthal, Kleber, Teisker, Heidenberg, Sachsenberg und Mühlberg mit der Reh-, Sau-, Fuchs- und Hasenjagd, auch Rebhuhnfange nebst allen anderen Zubehörungen. Inmaßen er dies itzo inne hat und gebraucht, nichts ausgeschlossen als die Hirschjagd, so wir uns vorbehalten, aus Gnaden geeignet und verschrieben.“ (E. Frey)
1588 stimmte das Domkapitel (das Kollegium der Geistlichen an bischöflichen Kirchen) Naumburg dieser Belehnung zu mit der Bedingung, dass Wolframsdorf jährlich 100 Gulden an das Kapitel zahlen und ein Ritterpferd stellen soll. Auch behielt sich das Domkapitel das Vorkaufs- und Lehnsrecht vor.
Wolframsdorf wurde somit fast unumschränkter Herr von Crossen, denn die Belehnung umfasste mit Ausnahme der Hirschjagd alle Rechte und Nutzungen.

Er scheint ein ungemein tatkräftiger und fleißiger Mann gewesen zu sein. Mit Tatkraft und Fleiß schien er auch seinem Kurfürsten gedient zu haben, denn dieser erhob ihn unmittelbar nach der Belehnung mit Crossen zum Hofmarschall und Stallmeister. Wie groß seine Verdienste unter Kurfürst August und wie stark seine Stellung am Hofe Kurfürst Christians gewesen sein müssen, geht daraus hervor, dass er sich im Jahre 1598 energisch dem kurfürstlichen Verlangen widersetzte, 10 junge Männer vom Amte Crossen, ausgerüstet mit Proviant und Lohn, 40 Wochen lang zur Umwandlung der Stadt Dresden in eine Festung zur Verfügung zu stellen. Diese Weigerung hatte keine Abstriche in der Gunst des Kurfürsten zur Folge. Lediglich 1601, als Wolframsdorf den Kurfürsten um „die alte Dornenhecke zwischen Crossen und Zeitz“ (den heutigen Zeitzer Forst) bat, lehnte dieser das Begehren ab und soll gemeint haben, daß „er (Wolframsdorf) wohl nicht recht klug sei“.
Es ist anzunehmen, dass Wolframsdorf durch das mit den kurfürstlichen Hofämtern verbundene Salär finanziell in die Lage versetzt worden war, die ehrgeizigen Verbesserungen seines Besitzes in Angriff zu nehmen.
Zuerst baute er die alte Crossener Burg zu einem bewohnbaren Schloss um. Bei der Zerstörung Crossens im Jahre 1430 durch die Hussiten war „das Haus auf dem Berge“, wie die Burg auch genannt wurde, nicht verschont geblieben. „Den Bischöfen fehlte oft das Geld, oder sie hatten keine Lust, große Bauten, die nicht zu ihrem direkten Nutzen waren, zu errichten. Die Amtleute hatten keine Veranlassung, sich um die Instandhaltung sehr verdient zu machen, da ihre Stellung mehr eine dienende als eine selbständige war. ...Es ist daher wohl zu glauben, dass Wolframsdorf vollauf Arbeit vorfand.“ (E. Frey)
Dann ließ Wolframsdorf vermutlich die Wirtschaftsgebäude unterhalb der Burg erweitern, zumindest so weit dies das sumpfige Gelände zuließ, denn die Elster floss in zahlreichen Armen durch das Tal.
1599 ließ er das Vorwerk in Nickelsdorf errichten.
1603 kaufte er von Ludwig von Etzdorf das Rittergut zu Silbitz und begann auch hier sofort mit dem Bau eines neuen Herrenhauses, dessen Räume verhältnismäßig reiche Stuckaustattungen tragen. Höhepunkt der Ausstattung ist die Hauskapelle mit der kostbar verzierten Decke. Auch ihr Fußboden ist noch aus der Wolframsdorfschen Bauzeit erhalten geblieben.
1604 ließ Wolframsdorf in Crossen ein Spital bauen und die Ortskirche nach Westen erweitern. Er rief eine Kirchenmusikkapelle ins Leben und einen Sängerchor dazu.
Im gleichen Jahr verstarb seine erste Frau Marie geborene von Hirschfeld. Sie wurde in der Frauenkirche in Dresden beigesetzt. Aus der Ehe waren 4 Söhne hervorgegangen. Der jüngste von ihnen, Heinrich, erbte 1643 Crossen. 1662 musste er es zwangsver-steigern lassen.
1608 heiratete Wolframsdorf erneut. Die Hochzeit mit Sabine geborene von Hoym (aus dem Hause Droysig) wurde pompös gefeiert, aber nicht auf Schloss Crossen, sondern im Herrenhaus in Silbitz. Wolframsdorfs zweite Frau, deren Geburtsjahr mit 1591 angegeben wird, gebar 5 Kinder: 4 Töchter und einen Sohn. Die jüngste Tochter Dorothea Sophia, geb. 1623, verheiratete sich mit Hans Abraham Stange, der Crossen 1662 aus der Zwangsversteigerung des Halbbruders seiner Frau erwarb.


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