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Bau des Vorwerks in Nickelsdorf

In den Akten späterer Jahrhunderte wird das 1599 erbaute Vorwerk ausschließlich als „Rittergut Nickelsdorf“ bezeichnet. Es wird deshalb angenommen, daß das Vorwerk im Laufe seines Bestehens zum dominierenden Wirtschaftshof des Schlosses Crossen geworden ist. Die Annahme wird unterstützt durch die Beschreibungen des Crossener Chronisten E. Frey (gest. 1894), wonach im Jahre 1890 von den unterhalb des Crossener Schlosses befindlichen Wirtschaftsgebäuden nur noch Wohnhaus und Kuhstall vorhanden sind. Von den unter der Schlossherrschaft der Fletschers (1700-1724) entstandenen neuen Gebäuden waren die Scheune und ein Seitengebäude 1874 abgebrannt. Diese hatte der spätere Schlossherr Flemming zwar wieder aufbauen lassen und 1877 ein großes Quergebäude mit Schweineställen und Wagenschuppen dazu, aber 1890 wird davon nichts mehr erwähnt.
Neben Nickelsdorf ließ Wolframsdorf ein weiteres Vorwerk mit Wohnhaus, Schafstall und Scheune in Rosenthal errichten. Möglicherweise ließ er dabei ein altes erneuern oder erweitern, denn in der Belehnungsurkunde von 1585 ist bereits ein Vorwerk genannt. Da das Rittergut nur 2 Vorwerke hatte, das in Nickelsdorf zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht existierte, müsste das urkundlich genannte das in Rosenthal gewesen sein.

Zu Wolframsdorfs Zeiten (und auch später noch) hielt die Elster die im Tal verfügbaren Acker- und Weideflächen in Grenzen. Deshalb begann Wolframsdorf die Nickelsdorfer Hochfläche für die Versorgung des Schlosses zu nutzen. Die grundlegende Voraussetzung für die wirtschaftlich verwertbare Nutzung des Landes jenseits der Elster war jedoch die Schaffung von Wirtschaftsgebäuden vor Ort. Die ackerbauliche Nutzung der Hochfläche erforderte Gebäude zur Speicherung der Ernte, da diese, so wie sie eingebracht wurde, nicht ohne weiteres nach Crossen gebracht werden konnte. Der mit vollem Erntewagen sicher nur mühsam zu bewältigende Fuhrweg den Mühlberg hinunter war dabei wohl das kleinere Übel. Das weitaus größere war die oftmals tagelang unüberwindbare Elster, die immer überquert werden musste, dies aber häufig nicht zuließ. Die Furt lag unmittelbar bei der Bogenbrücke, welche 1905 erbaut wurde. An deren Stelle stand seit 1848 eine hölzerne Brücke, durch die erstmals die trockene Passage von Fuhrwerken fast das ganze Jahr über möglich war. Bis dahin hatte nur ein dem Fußgängerverkehr dienender Steg über die Elster geführt. Die Ernte musste aber vom Feld sofort ins sichere Trockene gebracht werden. Also mussten auf der Hochfläche jenseits der Elster Speichermöglichkeiten geschaffen werden, aus denen die Feldfrüchte dann bei Bedarf und bei Niedrigwasser gefahrlos über die Elster ins Schloss gebracht werden konnten.

1599 ließ Wolf Ernst von Wolframsdorf deshalb in Nickelsdorf ein Vorwerk errichten. (Ein Vorwerk ist ein räumlich von den Wirtschaftsgebäuden eines Gutshofs getrennter Teil.)
Der Umfang - Scheune, Stall, Meierei etc. - und die Dauer des Baus sind nicht bekannt.
Eine Wasserleitung soll Wolframsdorf auch noch bauen lassen haben, womit möglicherweise der verschüttete Brunnen im Garten südlich des heutigen Wohnhauses gemeint sein könnte.
Die Steine zum Bau des Vorwerks wurden aus dem Steinbruch auf dem Mühlberg geholt, wo schon im 14. Jh. Steine zum Wehr- und Mühlenbau gebrochen worden sind. (Dass die Steine, wie immer wieder mal erwähnt, von der auf dem Mühlberg abgebrochenen Nickelsburg stammen sollen, ist ein Gerücht. Die Nickelsburg war kein Steinbau, sondern eine aus Erde und Holz errichtete Verteidigungsanlage gewesen.)

An der Scheune an der Nordseite des Hofs, in der sich heute im Erdgeschoss die Werkstätten und im Obergeschoss die Tenne befinden, ist ein nicht mehr als solcher zu erkennender Doppelwappenstein mit den Wappen Wolf Ernst von Wolframsdorfs und seiner ersten Frau Marie von Hirschfeld angebracht.

Die ehemals vorhandene, sich mutmaßlich auf den Bau bezogene Inschrift des Wappensteins war schon Anfang der vergangenen 50er Jahre schlecht leserlich.

Möglicherweise kam Wolframsdorf bei der Errichtung und Nutzung des Vorwerks die Idee, auch das sich nach Nordosten anschließende große Waldgebiet, den heutigen Zeitzer Forst, zu nutzen. Vielleicht wollte er den Wald roden und in nutzbares Ackerland umwandeln oder ihn als Jagdrevier nutzen. Bei Nutzung des Waldes als Jagdrevier wäre das Vorwerk in Nickelsdorf recht nützlich gewesen, denn einerseits konnte sich bei einer Jagd, meistens in Gesellschaft, die Rückkehr nach Crossen durch die stets unberechenbare Elster um Tage verzögern, andererseits konnte die Jagdbeute im Nickelsdorfer Vorwerk für Küche und Keller des Schlosses aufbereitet und gespeichert werden.

1601 erbat Wolframsdorf deshalb von seinem Kurfürsten "die alte Dornenhecke zwischen Crossen und Zeitz". Der Kurfürst lehnte aber das Begehren ab und soll dazu gemeint haben, dass "er wohl nicht recht klug sei".


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